Jeder Mensch erlebt im Laufe des Lebens einige Krisen. Sie gehören - wie Momente der Freude - zum Leben einfach dazu. Es gibt Krisen, die sind vorhersehbar und solche, die sind ganz plötzlich da und treffen uns mit voller Wucht.
Auf vorhersehbare Krisen können wir uns vorbereiten, wir können gegensteuern, sodass sie uns nicht so stark treffen. Manchmal können wir sie sogar verhindern.
Unvorhersehbare Krisen treffen uns oft ganz unvorbereitet. Wir werden "kalt erwischt". Egal ob eine Trennung, eine schwere Krankheit, der Verlust des Arbeitsplatzes, ein Unfall, der Tod eines lieben Menschen, oder eine finanzielle Notlage – Lebenskrisen können uns jederzeit treffen. Wir können sie nicht verhindern, aber wir können lernen, damit gut umzugehen.
Eine Krise stellt ein Hindernis oder eine Bedrohung dar, aber sie bietet auch eine Chance für Wachstum. Das sagt sich so leicht. Wenn wir im Sturm mitten drin sind, wenn wir sehen, wie unsere Existenz gefährdet wird, können wir im ersten Moment von der Chance nichts erkennen. Wir haben eher das Gefühl, die ganze Welt bricht zusammen.
In diesen Momenten sehnen wir uns nach mentaler Stärke. Jene innere Stärke, auch Resilienz genannt, die es uns ermöglicht, innerlich gelassen und ruhig zu bleiben und alle Herausforderungen souverän zu bewältigen.
In 10 Schritten zur mentalen Stärke
Jeder Mensch reagiert auf bestimmte Ereignisse anders. Mentale Stärke ist in erster Linie von einem gesunden Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl abhängig. Wer ein gesundes Selbstwertgefühl hat und sich entsprechend auch mehr zutraut, lässt sich nicht so schnell aus der Bahn werfen.
Aber wie kannst Du mentale Stärke entwickeln? Hier einige Tipps:
1. Halte inne und akzeptiere die Situation
In schwierigen Situationen neigen wir dazu, innerlich unruhig und hektisch zu werden und trotzdem immer weiter funktionieren zu wollen. Gerade in solchen Momenten brauchen wir unsere innere Ruhe, um die Übersicht zu bewahren und klar denken zu können. Deshalb halte inne, gehe innerlich auf Abstand oder lenke Dich ab und versuche zur Ruhe zu kommen. Analysiere in Ruhe die Lage und akzeptiere sie.
Mit Akzeptieren meine ich ich nicht schönreden, wie: "Das ist alles nicht so schlimm.", sondern einfach: "Ja, es ist wie es ist. Ich kann es momentan nicht ändern."
2. Besinne Dich darauf, was Du im Leben bisher alles geschafft hast
Denke an all die Herausforderungen, die Du schon gemeistert hast. Denke an Momente, in denen Du verzweifelt warst und die Du dann doch auf irgendeine Art gut bewältigt hast. Denke an all die großen und kleinen Erfolgserlebnisse in Deinem Leben. Dies gibt Dir Kraft, stärkt Dein Selbstvertrauen und Du schaust optimistischer in die Zukunft.
3. Gehe auf Lösungssuche
Bleibe gedanklich nicht beim Problem hängen, sondern denke in Lösungen. Frage Dich: Wie könnte eine Lösung ausschauen? Was könnte funktionieren? Wenn Plan A nicht funktioniert, wie könnte Plan B ausschauen?
Verabschiede Dich dabei von Schwarz-Weiß-Denken, bzw. Alles-oder-Nichts-Denken. Es gibt nicht nur schwarz und weiß, es gibt viele Nuancen dazwischen. Wenn es die vermeintlich ideale Lösung nicht gibt, dann nehmen wir eben die zweitbeste. Wer weiß, was dabei herauskommt. Manchmal entpuppt sie sich erst hinterher als Ideallösung.
4. Gehe wertschätzend mit Dir selbst um
Wenn Menschen sich gestresst fühlen, tendieren viele dazu, sich selbst kleinzumachen und zu kritisieren. Welche Worte wählst Du in Deinen Selbstgesprächen? In welchen "Tonfall" sprichst Du mit Dir selbst? Liebevoll oder tadelnd und abwertend? Liebevolle Worte stärken Dich, negative Worte schwächen Dich. Achte einmal darauf.
Gehe mit Dir selbst so um, wie mit Deinem besten Freund. Wie würdest Du den behandeln? Was würdest Du zu ihm in der gleichen Situation sagen?
5. Gehe in die Selbstverantwortung
Manchmal tendieren wir dazu, der ganzen Welt die Schuld zu geben. Auch wenn wir die Krise nicht selbst verursacht haben, bringt es uns trotzdem nichts, wenn wir über längere Zeit im "Opfermodus" drin bleiben. Dies lähmt uns und raubt uns die Kraft.
Stattdessen akzeptiere die Situation und mache das Beste daraus. Damit wirst Du wieder handlungsfähig. Erkenne, dass Du immer etwas verändern oder bewegen kannst. Wenn Du im Außen nichts verändern kannst, so hast Du immer noch die Möglichkeit, Deine Denkweise zu verändern. Du hast das Ruder in Deiner Hand.
6. Akzeptiere und lenke Deine Emotionen
Es ist vollkommen normal, dass uns in bestimmten schwierigen Situationen die Emotionen hochkommen. Verdränge sie nicht. Emotionen wollen einfach nur wahrgenommen werden. Wenn Du sie unterdrückst, werden sie mit der Zeit immer stärker.
Nimm Deine Emotionen einfach nur wahr und atme langsam und tief, um zur Ruhe zu kommen. Mache Dir die Gedanken bewusst, die Du hattest bevor die starken Emotionen aufgetreten sind. Es ist nicht die Situation, die diese Emotionen erzeugt, sondern Deine Art und Weise wie Du darüber denkst. Deine Gedanken erzeugen Deine Emotionen. Deshalb frage Dich: Was hast Du gedacht? Was waren Deine Gedanken?
Hinterfrage diese Gedanken. Sind sie wirklich wahr? Sind sie hilfreich für Dich? Was wärst Du ohne diese Gedanken?
Entscheide, welche Gedanken Du stattdessen denken möchtest. Welche Gedanken wären hilfreich für Dich? Wähle bewusst Gedanken, die weniger starke Emotionen in Dir auslösen.
Habe Geduld mit Dir, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Behandle Dich wertschätzend. Emotions-Steuerung ist Übungssache.
7. Aktiviere und nutze Dein Netzwerk
Verabschiede Dich vom Gedanken alles alleine stemmen zu müssen. Es ist kein Zeichen von Schwäche, wenn Du um Hilfe bittest, im Gegenteil. Es ist ein Zeichen von Stärke. Also denke darüber nach, wer Dich unterstützen könnte. Dies können Freunde und Bekannte sein, aber genauso Experten. Nimm jede mögliche Hilfe an.
8. Nimm jede Gelegenheit wahr, um Deine Komfortzone zu verlassen
Probiere neue Dinge aus, mache etwas anders als bisher. Bringe Abwechslung in Deinen Alltag. Sammle neue Erfahrungen. Nimm neue Herausforderungen an. So gewinnst Du immer mehr Selbstvertrauen und entwickelst immer mehr mentale Stärke.
9. Setze Dir Ziele, mache Pläne und bleibe dran
Auch wenn das Leben uns manchmal einen Strich durch die Rechnung macht und einiges nicht so läuft, wie wir uns das vorgestellt haben, mache trotzdem Pläne und setze Dir Ziele. Und arbeite konsequent darauf hin. Teile große Ziele in kleine Ziele auf - und feiere jedes noch so kleine Ziel, das Du erreichst.
10. Verabschiede Dich vom Perfektionismus
Hast Du die Neigung, immer alles perfekt machen zu wollen? Das kann manchmal ein Handicap sein. In bestimmten Situationen hat Perfektionismus seine Daseinsberechtigung. Aber sehr oft braucht es ihn nicht. Gut ist auch gut genug.
Mit Perfektionismus setzt Du Dich selbst unter Druck. Wenn Dir nichts gut genug ist, knabbert das an Deinem Selbstwertgefühl, was Dich dann wiederum schwächt. Deshalb differenziere in den einzelnen Situationen: Wann ist Perfektionismus gefragt und wann kannst Du darauf verzichten?
Ein wichtiger Tipp zum Abschluss:
Wenn Du Dich auf dem Weg machst, Deine mentale Stärke aufzubauen, dann sei geduldig mit Dir selbst. Es ist ein Prozess, der Zeit erfordert. Es geht nicht von heute auf morgen. Es ist reine Übungssache. Du wirst sehen, Du wirst immer besser.
Ich befasse mich bereits seit den 80er Jahren mit mentalen Training und lerne immer noch dazu. Immer wieder überrascht das Leben mich aufs Neue.
Deshalb, sei nachsichtig mit Dir selbst. Gehe alles mit Leichigkeit an! Veränderung darf auch Spaß machen. Viel Erfolg dabei!
Deine Renate